Wie wir wohnen wollen

In Deutschland hat die durchschnittliche Wohnfläche pro Einwohner*in in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Gleichzeitig sind die Mieten und Kaufpreise in den Metropolen stetig gestiegen. Die Ausgaben fürs Wohnen entkoppeln sich zunehmend vom Einkommen. Der bezahlbare Wohnraum in Städten wie Köln ist rar. Ein Thema, so brisant wie nie – könnte man meinen. Doch das Wohnen ist seit jeher eine aktuelle, weil existentielle Angelegenheit. Wie wurde früher gewohnt, wie leben wir heute und welche Wünsche haben wir für die Zukunft?

Gerade hat unsere Gesellschaft das Wohnen im Corona-Lockdown schlecht oder recht hinter sich gebracht. In einigen Regionen der Welt ist es noch voll im Gange. Das eigene Zuhause wurde mit einem Mal Schauplatz für alle existentiellen Lebensbereiche: Unser Wohnbereich musste herhalten für Homeoffice, Homeschooling, Betreuung für die Kleinen und Rückzugsmöglichkeiten gleichermaßen - für viele eine große Herausforderung. Die Pandemie machte wie mit einem Brennglas klar, wer und wie viele von der Wohnungskrise betroffen sind und  trifft Menschen, die schon vor der Krise benachteiligt waren, härter.

„Auch mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen bleibt die eigene Wohnung ein essenzieller Rückzugsort. Wir setzen alles daran, dass Sie sich dort sicher, gesund und geborgen fühlen.“ (© 2020 Deutsche Wohnen, Webseite Juli 2020)

Aus aktuellem Anlass zeigen wir das genreübergreifende Kurzfilmprogramm Wie wir wohnen wollen! -  zusammengestellt für die Sommerfilmnächte 2017 in einer 2020 überarbeiteten Version.

 

 

Die Filme des Programms:

Haltestelle Hansaring (Regie: Tama Tobias Macht, D 2008, 6‘)
Eine Haltestelle in Köln. Häuser, so nah am Gleis, dass sich Bewohner*innen und Wartende in die Augen schauen können. Eine ruhige Betrachtung im Rauschen der Züge.
 
Rauschen & Brausen I (Regie: Daniel Burkhardt, D 2007, 5‘)
Eine Hochhausfassade. Vorbeirauschende Autos. Symbole urbaner Realität. Ein Experimentalfilm, der zwischen Nähe und Distanz, zwischen Meditation und Hypnose oszilliert und den Zuschauer*innen ihre jeweils eigenen Assoziationsräume öffnet.
 
Sonntag, Büscherhöfchen 2 (Regie: Miriam Gossing & Lina Sieckmann, D 2014, 13‘)

Ein Tag im Bergischen Land. Ruhig und kommentarlos beobachtet der Dokumentarfilm die Einrichtung und die Abläufe in einem Haus, das von individuellen Fantasien des Exotischen geprägt ist. Eine Safari in die Extravaganz der Vororte, zwischen Heimat und Fremde.
 
Wohnhaft (Regie: Bernhard Marsch, D 2001/2004, 9‘)

Eine Wohnung voller Sachen. Einerseits eine skurrile Dokumentation des Messie-Daseins, andererseits eine liebevoll ironische Studie darüber, wie viel Geschichte sich in einer Wohnung ansammeln kann und welche Bedeutung das Wohnen für die Erinnerung hat.
 
Kein Platz für Gerold (Regie: Daniel Nocke, D 2006, 5‘)
Wer in einer Wohngemeinschaft zu Hause ist, hat tausend Geschichten zu erzählen. Der Animationsfilm erzählt eine davon. Eine Fabel über die Widrigkeiten des Zusammenlebens.
 
Schönen, guten Tag (Regie: Corinna Schnitt, D 1995, 5‘)
Vermieter*innen sind mal so, mal so. Herzensgut, fürsorglich, kleinlich, aufdringlich, penetrant oder lustig. In dieser Anekdote über das Verhältnis zwischen ihnen und einer Mieterin sind sie all das zusammen.
 
Walls (Regie: Miguel López Beraza, ESP 2014, 10‘)
Wenn Wände sprechen könnten, was würden Sie über die Menschen erzählen, die zwischen ihnen wohnen? Ein Haus in Budapest berichtet von einem Tag im Leben von Herrn István und Frau Magdi, die seit vielen Jahren Nachbarn sind. Ein zärtlicher Blick auf Leidenschaften, Routinen und Geschichten.
 
Biotop (Regie: Paul Scholten, D 2018, 11‘)

Das Leben in Neuperlach, einem Vorort von München, ist beschaulich. Es ist eine heile Welt, wo sich die Nachbarn untereinander kennen und man sich gegenseitig grüßt. Seit einiger Zeit ist der Frieden aber gestört, denn es sollen Flüchtlinge nebenan einziehen. Da einige Menschen Angst vor Ruhestörungen haben, wird eine Lärmschutzvorrichtung gebaut.
 
The house of small cubes (Regie: Kunio Kat?, JPN 2008, 12’)
In einem kleinen Haus, weit draußen auf dem Meer, sitzt ein alter Mann. Durch ein Tür im Boden fällt ihm seine Pfeife ins Wasser. Es beginnt ein Tauchgang durch die Vergangenheit bei dem der alte Mann nicht nur seine Pfeife wieder findet.
 
Catalogue – Get Well Soon (Regie: Philipp Käßbohrer, D 2016, 5:30’)
Die 70er Jahre, ein Kommissar, ein Tatort und jede Menge Dinge, welche die Mordopfer hinterließen. Was sagt unser Eigentum, unser Wohnort unsere Einrichtung über unser Leben aus? Welche Geschichten erzählen diese Dinge über uns?
 
Whirr (Regie: Timo Katz, D 2006, 3‘)

Sind Reihenhäuser eine Anhäufung des immer Gleichen? Oder lässt gerade die Reihung individuelle Unterschiede hervortreten? Eine schwirrend poetische Betrachtung.
 
Wohnkultur, wie sie war, wie sie ist, und wie sie sein soll! (Drehbuch: Fritz Stübig, D 1928, 15‘)
Ein Werbefilm des Mieterschutzvereins, der selten gesehene Einblicke gibt, wie es in Köln vor 90 Jahren ums Wohnen bestellt war. Wie wurde die Wohnsituation damals bewertet und was würden wir heute wohl anders sehen? Sicher ist, dass Themen wie Wohnungsknappheit und sozialer Wohnungsbau auch heute in aller Munde sind.
 
Nekropolis (Regie: Kerstin Gramberg, D 2010, 3‘)
Animierte Häuserberge türmen sich auf, verwachsen miteinander und tanzen. Die Großstadt pulsiert zwischen Aufbau und Verfall. Die Dynamik der urbanen Entwicklung?
 
Wohnungssuche (Regie: Transnationales Ensemble Labsa, D 2015, 4‘)

Das Ensemble ist eine Kooperation von jungen Menschen mit und ohne Fluchthintergrund mit Künstler*innen verschiedener Genres. In diesem Video setzen sie sich mit den Schwierigkeiten der Wohnungssuche und den Vorurteilen, die ihnen dabei begegnen, auseinander.
 
Urbanima (Regie: Pauline Flory, D 2013, 1‘)
In der Großstadt hängt dieses mit jenem zusammen und das eine mit dem anderen. Die Animation spielt mit den Zusammenhängen der Stadt und lässt alles ineinanderfließen.
 
Eigentumswohnung - Christiane Rösinger (Regie: Lucian Busse & Sofie Hein, D 2016, 3‘)
Wer kennt es nicht? „Der Kapitalismus ist an allem schuld!“ Das Lied spielt mit dem Dilemma, dass Gentrifizierung auch durch diejenigen vorangetrieben wird, die sie verabscheuen. Das dazugehörige Musikvideo nimmt die absurden Auswüchse von Wohnungsbesichtigungen aufs Korn.